Der Anfang der entscheidenden Kartenvergabe PDF Drucken E-Mail

Bisher konnte die preußische Infanterie den Gegner wie eine Walze immer wieder frontal zurückdrängen. Es fehlte ihr aber an Raum, der nötig war, um gleichzeitig mehrere frische Abteilungen ins Feuer zu bringen. Das Manöver beschränkte sich unter solchen Bedingungen auf das Einführen der einzelnen Bataillone >> VI 4 in die erste Linie, die sich infolge der Verluste schrittweise verkürzte - einmaliges Ersetzen der erschöpften Einheiten wäre ein zeitraubendes, wenn überhaupt ausführbares Unternehmen gewesen. Sollte die Schlacht nicht zu einem langsamen Gewehrduell von zwei Infanterielinien >> VI 7 werden, die zwei gegenüberliegende Ränder des Kuhgrundes besetzten, so mussten die Preußen unbedingt das Mittel finden, ihre Front zu verlängern. Fink versuchte erneut die feindliche Linie vom Norden her umzugehen, doch trafen seine Infanteristen auf das russische Regiment Sibirien, das sich  rechtzeitig auf dem Rand der Anhöhe zwischen den Mündungen des Kuhgrundes und des Tiefen Weges aufstellte. Er unternahm aber weitere Anstrengungen – ein Teil seiner Soldaten watete sogar durch Elsbusch, in der vergeblichen Hoffnung, den Feind doch umgehen zu können.

 

 


Inzwischen entwickelten sich neun Bataillone der preußischen Vorhuten am Rande des Kuhgrundes und suchten nach einem schwachen Punkt der feindlichen Linie, den man angreifen könnte. Sie fanden ihn nicht, höchst wahrscheinlich waren sie sogar vorübergehend gezwungen, sich außerhalb der Reichweite feindlicher Gewehre zurückzuziehen >> VI 9, um sich erneut zu ordnen, sodass der Feuerkampf lediglich von einzelnen Gruppen der Grenadiere unterhalten wurde. Die verblutete und erschöpfte Vorhut wurde jetzt durch drei frische Bataillone verstärkt, es erfolgte jedoch zu spät, um sie erneut zum Kampf anzufeuern. Erst der erfolgreiche Angriff von zwei preußischen Bataillonen auf Kunersdorf schien den Durchbruch zu versprechen – die Russen mussten den Ort räumen, auch der Friedhof fiel den Preußen in die Hände.

 

 


Sie konnten jetzt endlich ihre Kampffront um mehrere Hundert Meter verlängern und weitere Abteilungen in die erste Linie rücken lassen. Ihr linker Flügel brach durch Kunersdorf zu einem Angriff entlang der russischen Verschanzung zwischen dem Dorf und dem Großen Spitzberg auf. Mehrere darin aufgestellte Batterien wurden genommen und die Aufstellung der Verbündeten am Kuhgrund überflügelt. Die zur Rechten stehenden Österreicher, von der Flanke und vom Rücken her bedroht, traten den Rückzug an und die auf der Verlängerung ihrer Linie stehenden Russen mussten bald das gleiche tun. Die Preußen in der Mitte erneuerten jetzt den Angriff und folgten dem weichenden Gegner auf den Fersen. Es scheint, dass ein Teil der russischen Einheiten in Panik geriet – sie sollten sogar ihre auf dem Großen Spitzberg errichtete ausgedehnte Schanze verlassen, in der sich mehrere Dutzende von Geschützen befanden.  Jedenfalls gewannen manche Teilnehmer der Schlacht den Eindruck, dass die Verbündeten nicht mehr im Stande sind eine geschlossene Aufstellung aufrechtzuerhalten und vor den siegreichen Preußen nur noch fliehen werden – dieser Eindruck war aber falsch.