Geschichte
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| Der Anmarsch |
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Am Sonntag dem 12. August 1759, gegen zwei Uhr nachts, marschierte das königliche Korps in größter Stille links ab. Es richtete sich gegen die früher erkundeten und gewählten Übersatzstellen am Hühnerfließ. Zum Marsch wurden zwei Kolonnen formiert, die den beiden Linien der geplanten Schlachtordnung entsprachen. Die Vorhut >> VI 6 marschierte an der Spitze der ersten Linie (westliche Kolonne), in der sich neben der Infanterie ca. 40 schwere Geschütze mit ihren Munitionswagen, >> VIII 1 sowie 60 Bataillonskanonen >> VI 10 befanden. An beiden Enden der östlichen Kolonne (zweite Linie) marschierte Kavallerie, ihren zentralen Teil bildete die Infanterie, von 20 schweren Geschützen, einer reitenden Batterie und ca. 30 Bataillonskanonen begleitet. Sieht man von den Distanzen zwischen den einzelnen Abteilungen oder von den Fällen, in den sich einzelne Abschnitte der Kolonnen im Marsche verlängerten ab, so lässt sich die Länge der beiden Kolonnen auf sechs bis sieben Kilometer abschätzen – als ihre Spitzen schon tief in den Wald eingedrungen standen, steckten ihre Enden immer noch im Raum Bischofsee.
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Am Tagesanbruch ritt der König an den Waldrand westlich Kunersdorf, um das Schlachtfeld persönlich zu besichtigen. Als er sich umsah, fasste er schnell einen neuen Entschluss. Er musste bemerken, dass die sumpfige, von mehreren kleinen Seen und Teichen durchzogene Niederung, um derer nördliches Ende sich die Gebäude des Dorfes Kunersdorf gruppierten, die Aufstellung seines Heeres unvermeidlich in zwei Teile spalten würde, die sich gegenseitig kaum unterstützen könnten. Es sollte daher auf ein tieferes Umgehen des Feindes verzichtet werden - die Armee musste sich nun zum Kampf vorbereiten, ohne besagte Niederung zu überschreiten. Dem König entging wohl nicht, dass sich auf dem Gelände westlich der Niederung mehrere Anhöhen befinden, die seiner Artillerie günstige Stellungen zu einem konzentrischen Beschuss >> VIII 6 der feindlichen Stellungen auf dem Mühl-Berg anbieten und dass die zuletzt erwähnten durch einen tiefen Grund von den Walk-Bergen (nahe der Walk- und Bäcker-Mühle) auf ihrem östlichen Vorfeld getrennt sind. Er beabsichtigte jetzt die Geländebeschaffenheit auszunutzen, indem er den rechten Flügel seiner Infanterie unmittelbar am Hühnerfließ entwickelt und die Vorhut auf die Walk-Berge vorschiebt. Gleichzeitig musste er aber im Hinblick auf den Platzmangel die gesamte Kavallerie auf dem linken Flügel massieren. Die Armee wendete sich inzwischen gegen Südwesten, und die Spitzen der beiden Kolonnen durften sich jetzt irgendwo zwischen den Übersatzstellen am Hühnerfließ (an der Faulen und Stroh Brücke) und der Niederung südlich Kunersdorf befinden. Das Heer musste dann eine Reihe von komplizierten Umgruppierungen durchführen um die neuen Befehle des Königs zu verwirklichen: zuerst den Übergang durch den Bach beenden, umkehren und gleichzeitig die Vorhut, die schweren Geschütze und die Kavallerie auf die ihnen zugewiesenen Plätze verschieben. Das kostete viel Zeit – dem ursprünglichen Plan gemäß sollte der Aufmarsch nur fünf Stunden dauern und letztendlich konnte er anstatt um sieben erst um elf Uhr beendet werden. Als sich die Armee erneut formierte, hatte die erste Linie der Infanterie eine Länge von fast 3 Kilometern, während die Länge der zweiten knapp zwei Kilometer betrug. Vor die Front der Infanterie schob man schwere Geschütze, deren Munitionswagen unter Bedeckung eines Infanterieregiments im Rücken der Armee versammelt wurden. Es scheint, dass der linke Flügel der preußischen Infanterie zu dieser Zeit noch teilweise im Wald stecken durfte, wie auch die Kavallerie, die erst mit ihren Spitzen auf das offene Feld kam. Natürlich waren die zusätzlichen vier Stunden der Arbeit nicht ohne Einfluss auf die Kondition der Soldaten, doch trotz aller Irrtümer gelang es dem König einen wesentlichen Vorteil zu erringen: die Russen und Österreicher waren bis zum letzten Augenblick nicht sicher, woher und wie der Gegner sie angreifen wird.
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Als beim Tagesanbruch des 12. August Soltikov die Nachricht vom Abmarsch der preußischen Armee erreichte, erkannte er, dass Friedrich II. ihn umgehen will – er erwartete jedoch einen Angriff auf den eigenen westlichen Flügel und begann dort zusätzliche Kräfte zu verschieben. Gleichzeitig befahl er die beiden am weitesten nach Süden vorgeschobenen Behelfsbrücken über die Oder zu verbrennen, was bald geschah. Das Erscheinen der preußischen Hauptkräfte vor der östlichen Flanke des Lagers musste ihn also doch verblüffen. |






