Der Kampf um Kuhberg und Kuhgrund PDF Drucken E-Mail

Die preußische Vorhut hat sich bereits nach dem erfolgreichen Vormarsch wieder geordnet und griff jetzt den Feind frontal an, während die Abteilungen des Finkschen Korps seine Flanke zu umzugehen suchten. Der Zusammenstoß schien zunächst eine unwillkommene Form des sich verlängernden Feuerkampfes anzunehmen >> VI 7, letztendlich räumten aber die Russen den Kuhberg, wohl unter dem Einfluss des gleichzeitigen Druckes auf beide Flügel ihrer Aufstellung und gingen hinter den Kuhgrund, sowie nach dem verbrannten Kunersdorf zurück. Die Fortschritte der Vorhuten und des Finkschen Korps erweiterten den Raum, der dem preußischen König zur Verfügung stand, er konnte endlich das auf den eroberten Anhöhen herrschende Gedränge lockern, und die Abteilungen nach und nach in die Niederung zwischen dem Kuhberg und Mühl-Berg vorschieben, um sie dort entsprechend aufzustellen. Außerdem konnte jetzt auch ein Teil der Infanterie des linken Flügels in die Schlachtlinie rücken. Die wertvolle Zeit verging jedoch – es war bereits 14 Uhr und die siegreichen Abteilungen der vorderen Linie schafften es noch nicht, dem immer wieder weichenden Gegner einen entscheidenden Schlag zuzufügen. Die Preußen eroberten zwar 70 russische Geschütze, doch konnten sie weiterhin auf keine großzügige Unterstützung der eigenen Artillerie rechnen, darüber hinaus fehlte es ihnen weiter an Platz, um die Kavallerie antreten zu lassen. Die Soldaten der vorderen Linie marschierten und kämpften schon seit 12 Stunden. Die Munition begann knapp zu werden. Das schlimmste aber war, dass sie kein Wasser mehr hatten, sodass sich zur allgemeinen Erschöpfung auch die Quälereien des Durstes gesellten.

 

 

Inzwischen beherrschten die Russen erneut die Lage – sie konnten ja auf immer neue Einheiten zurückgreifen, die nach und nach aus immer entfernteren Teilen ihres Lagers eintrafen (neben den Teilen der 1. Division >> V 7  erschienen an Ort und Stelle auch erste Infanteriebataillone >> VI 4 und Grenadierkompanien >> VI 5 der Österreicher, die sofort in die Schlachtlinie eingegliedert wurden).  Auf das Hindernis vor ihrer Front, nämlich den steilen Hang des Kuhgrundes, an dessen Rand sie ihre neue Aufstellung nahmen, konnten die Russen ebenfalls rechnen. Außerdem richteten sie sich in Kunersdorf um den Friedhof zur Verteidigung ein – sodass das Umgehen ihrer Stellung durch die Preußen vorübergehend nicht möglich war. Es näherte sich der Kulminationspunkt der Schlacht.

 

 

 

Ein großer Teil der damaligen und späteren Kommentatoren vertrat die Ansicht, dass Friedrich der Große zu diesem Zeitpunkt erkannte, dass sich die Lage zu seinen Ungunsten zu wenden begann und er sich mit dem Erreichten begnügen sollte. Anstatt weiter anzugreifen, sollte er eher den Eindruck abwarten, den eine von ihm am Vortage der Schlacht angeordnete Demonstration in Frankfurt (auf dem linken Oderufer) auf die Verbündeten machen wird. Der König war sich aber höchst wahrscheinlich der Form des Geländes und der gesamten Ausdehnung des feindlichen Lagers nicht bewusst, er konnte davon überzeugt gewesen sein, dass ihm lediglich ein Schritt von dem vollständigen Verdrängen der Russen von den Anhöhen ins Tal der Oder trennt und dass er ihre Armee so schnell aufreiben wird, dass die Intervention der österreichischen Hauptkräfte unterbleibt. Außerdem verfügte er zu diesem Zeitpunkt über viele noch gar nicht eingesetzte Einheiten. Welcher Spieler würde sich der Versuchung des weiteren Spiels erwehren, wenn er so viele gute Karten in der Hand gehabt hätte?