Der preußische König zieht gegen den Feind PDF Drucken E-Mail

Am 9. August traf Friedrich II. die Vorbereitungen zum Angriff, indem er ordre de bataille >> VI 3, also die Aufstellungsordnung seiner Armee bestimmte. Unter seinem persönlichen Kommando vereinigte er Hauptkräfte: 22 Bataillone der Infanterie >> VI 4 (je 600-700 Soldaten) in der ersten und 15 in der zweiten Linie; acht weitere Bataillone (darunter sechs von ausgewählten Soldaten gebildete Grenadierbataillone) bildeten die Vorhut. Die Infanterie war von 40 Eskadronen der schweren (Kürassiere und Dragoner), >> VII 4 sowie 20 der leichten Kavallerie (Husaren) >> V 3 begleitet. Die übrigen 18 Bataillone und 35 Eskadronen – meistens handelte es sich hier um Bestandteile des unglücklichen Wedellschen Korps von geringerer Ist-Stärke und schwächerer „seelischer Verfassung” – bildeten das „Reservekorps“ unter General Fink. Dieser musste wiederum mehrere Abteilungen detachieren, die zur Erfüllung von Hilfsaufgaben nötig waren (sieben Bataillone waren zur Deckung der Oderbrücken und drei zu einer Diversion gegen Frankfurt bestimmt). Mit dem Rest sollte er eine lebhafte Demonstration veranstalten, um den Feind über tatsächliche Absichten des Königs zu täuschen. An Artillerie besaß die preußische Armee insgesamt über 150 schwere Geschütze >> VIII 1 (hauptsächlich Kanonen, 12-Pfünder, aber auch um 20 Haubitzen >> VIII 4), sowie ca. 125 Bataillonskanonen >> VI 10.  

 

 


Noch am gleichen Tag befahl der König dem Kommandanten der Küstriner Festung die zum Bau einer Brücke über die Oder nötigen Schiffe und Boote zu versammeln. Gleichzeitig beorderte er seine Pontons nach Reitwein, wo diese, der feindlichen Sicht entzogen, zunächst warten sollten. Am nächsten Tag wurden die bei Küstrin gesammelten Schiffe flussaufwärts gesandt, und auf der Höhe von Reitwein begann der Bau einer Schiffsbrücke. Zur gleichen Zeit begann etwa drei Kilometer weiter stromaufwärts die Montage einer Pontonbrücke. Beide Übersatzstellen waren am 11 August, noch vor Tagesanbruch fertig.

 

Eine preußische Vorhut setzte sich noch am Abend des 10. August in Marsch und der Rest der Armee folgte ihr nach Einbruch der Dunkelheit. Zum Tagesanbruch des 11. August formierte sich das Heer in der vom König bestimmten Ordnung >> VI 3 und begann, über die Oder zu setzen. Die Kolonne der ersten Linie benutzte die Pontonbrücke, die zweie Linie das Reservekorps und die schwere Artillerie passierte den Fluss durch die Schiffsbrücke. Als die Abteilungen die Anhöhen bei Ötscher erklommen, schloss sich ihnen die Kavallerie an, welche durch eine Furt gegenüber dieser Ortschaft ging. Um das Heer mit dem Tross nicht zu belasten, wurde die gesamte schwere Bagage der Armee vom Lager bei Wulkow unmittelbar nach Küstrin gesandt, wo sie unter dem Schutz der Festung auf das Heer wartete. Leichtes Gepäck (Zelte, Mäntel, Säcke, Kochgeschirr) beließ man auf dem westlichen Oderufer, in der Nähe der Brücken. Um letzteres leichter bewachen zu können, teilte man die Schiffsbrücke in mehrere Abschnitte, die dann stromaufwärts gebracht wurden, um die Brücke erneut in unmittelbarer Nähe der Pontonbrücke zusammenzubauen.

 

 

 

In der Zwischenzeit klärten die Husaren >> V 3 in Richtung Gohlitz und Groß Rade auf – es kam zu mehreren kleinen Scharmützeln mit Kosaken. Die Armee folgte bald der leichten Kavallerie in drei Kolonnen. Nachdem sie knapp 20 Kilometer zurückgelegt hatte, wurde am frühen Vormittag ein Aufenthalt angeordnet. Das Finksche Korps befand sich zwischen Leißow und Trettin. Der linke Flügel des Hauptkorps lehnte sich an Leißow, und sein rechter Flügel stand mit Bischofsee vor der Front. Im zuletzt erwähnten Dorf hielt sich der König mit seiner Bedeckung – einem Grenadierbataillon – auf. Die meisten Kavallerieeinheiten standen hinter dem linken Flügel, die Vorhut am Rande der Bischofseer Heide, rechts davon zwei Husarenregimenter, die mehrere Patrouillen gegen den Feind aussandten. Am Nachmittag und in der kommenden Nacht lagerte das Heer in geschlossener Formation unter freiem Himmel. Man verteilte unter den Mannschaften das von Reitwein gebrachte Brot.