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Friedrich II. konnte sich also mit seiner Armee ungestört dem Gegner nähern, es blieb ihm nichts übrig, als die Dispositionen zum Angriff auszugeben. Am Vortag kundschaftete er von den Anhöhen südlich Trettins das feindliche Lager aus – er konnte erkennen, wie sich die Russen zum Kampf vorbereiteten, ihre Zelte vom Mühl-Berg entfernten und Kunersdorf abbrannten. Er konnte aber das sich vom Mühl-Berg bis an die Judenberge erstreckende Gelände nur unter gewissem Blickwinkel betrachten, was vermutlich seine späteren Entscheidungen stark beeinflusste. Die von dieser Seite gesehenen Anhöhen erscheinen nämlich stark verkürzt, so durfte der König den Eindruck gewonnen haben, dass das feindliche Lager kleiner ist, als es in Wirklichkeit war, und daraus den Schluss ziehen, das nach dem Zerschlagen des stark exponierten und gut sichtbaren rechten Flügels des Feindes das Aufrollen der gesamten russischen Aufstellung ein leichtes Spiel sein wird. Was noch schlimmer war, er konnte von seinem Standpunkt nicht bemerken, dass das vom Feind besetzte Terrain von mehreren Schluchten und Gründen durchzogen war, die sie in mehrere Abschnitte teilten, dass also sein Heer gezwungen sein wird nicht eine Barriere – die Befestigungslinie - sondern mehrere Hindernisse nacheinander zu bewältigen.
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Auch die Beschaffenheit des Geländes, das seine Armee während des Aufmarsches überwinden musste, war ihm nahezu unbekannt. Da er auf keine guten, d.h. mit modernen topographischen Landkarten vergleichbaren Pläne zurückgreifen konnte, war das einzige Mittel, diesen Wissensmangel zu beheben, die ortskundigen Personen anzusprechen. Gerade diese Quellen versagten aber kläglich. Der örtliche Förster war durch unmittelbares Berühren mit dem König so eingeschüchtert, dass er fast nichts aussagen konnte. Ein als ein leidenschaftlicher Jäger geltender Offizier der Frankfurter Garnison, der vor dem Kriege die örtlichen Wälder oft durchstreifte, erwies sich wiederum als ein kompletter militärischer Ignorant. Seine Bemerkungen konnten kein zusammenhängendes Bild des Geländes liefern. Er war auch nicht im Stande, die Qualität der Wege und den Einfluss der Geländebeschaffenheit auf das Marschtempo einer Armee zu bewerten. Endlich fand man einen aus der Gegend stammenden Soldaten, der dem König als ein Führer dienen sollte – er wurde vorsorglich eingesperrt, damit er sich vor der Schlacht nicht betrinkt.
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All das musste dem König zu Denken geben, war er doch weiterhin fest entschlossen, dem Feind eine Schlacht zu liefern. Höchst wahrscheinlich meinte er, dass die Schlacht an sich eine riskante Aktion ist und dass selbst der oben beschriebene Informationsmangel das immer vorhandene Risiko einer Niederlage nur unwesentlich vergrößert >> II 5. Aus den Berichten der eigenen Husarenpatrouillen erfuhr er zumindest, dass das die Anmarschwege durchschneidende Hühnerfließ an mehreren Orten passierbar ist. So meinte er, dass dem ins Auge gefasste Manöver nichts im Wege stehe. Er wollte die Wälder ausnutzen, um mit den Hauptkräften den Feind in einem weiten Kreis verdeckt zu umgehen um ihn dann mit dem verstärkten linken Flügel vom Süden her anzugreifen, während der rechte vorübergehend zurückgehalten werden sollte. Fink mit dem Reservekorps sollte inzwischen geradeaus auf den Mühl-Berg losmarschieren und möglichst viel Lärm machen, um die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich zu ziehen, sich aber dem allgemeinen Angriff erst anschließen, wenn die Artillerie des Königs zu schießen beginnt. Ungefähr solchen Verlauf der Schlacht sah der König in seinen Planungen vor. |






