Die Wende PDF Drucken E-Mail

Am Kriesenort erschien Laudon mit dem Rest der österreichischen Infanterie, Geschützen und Kavallerie. Der für seine Unternehmungslust bekannte Befehlshaber bewertete schnell die Lage. Er konnte dank seiner Soldaten noch einmal eine geschlossene Front bilden. Es ist heutzutage nicht mehr möglich festzustellen, auf welcher Linie die preußische Infanterie zuletzt zum Stehen gebracht wurde, wahrscheinlich erfolgte das ungefähr auf der Höhe des Großen Spitzberges. Besetzten irgendwelche preußischen Truppen die auf der Anhöhe gelegene große Schanze (worauf mündliche Überlieferungen einiger Regimenter hinzudeuten scheint), so wurden sie rasch von den Österreichern zurückgedrängt. Die dort massierten russischen Geschütze begannen erneut zu feuern. Sie konnten jetzt die preußischen Linien auf dem Hochplateau von der Flanke fassen, was die Wirksamkeit ihres Feuers vergrößerte >> VIII 2.

 

Friedrich II. bemerkte, dass der Infanterieangriff wieder ins Stocken gerät und dass die Ordnung in eigener Linie nur mit wachsender Mühe aufrechtzuerhalten ist. Er versuchte daher die ihm noch verbliebenen Mittel auf die Waagschale zu werfen, zumal er erst jetzt, nach der Niederwerfung der feindlichen Batterien westlich Kunersdorf eine richtige Gelegenheit dazu hatte. Auf dem linken Flügel (am See in Kunersdorf) platzierte er höchst wahrscheinlich eine Batterie von 12-pfündigen Kanonen, die mit der Hilfe der Infanterie soweit gebracht werden konnte. Weitere zwei Batterien, wahrscheinlich von leichteren Bataillonskanonen >> VI 10, sendete er an den östlichen Rand des Dorfes bzw. (vermutlich) auf den Kuhberg. Leider konnte ihr Feuer nur wenig ausrichten, vor allem im Hinblick auf die relativ große Entfernung von den beschossenen Zielen (über einen Kilometer). Die Bildung der Batterien aus Bataillonsgeschützen mag auf die Probleme hindeuten, die sich schon nach dem ersten Angriff auf den Mühl-Berg fühlbar machten. Offensichtlich konnte selbst die leichte Artillerie, im oft durchschnittenen und durch Verhaue geteilten Gelände, mit den anderen Waffengattungen nicht Schritt halten. Jedenfalls verfügte die preußische Infanterie im entscheidenden Stadium des Kampfes nur über einen Bruchteil der leichten Geschütze, die sie auf kleineren Distanzen üblich unterstützten. Die Verbündeten hatten dagegen recht viele Geschütze, und deren Kartätschenfeuer >> VIII 3 erwies sich jetzt als eine Barriere, die Preußen nicht mehr zu überspringen vermochte.

 


Der König warf am Nachmittag immer neue Bataillone in den Kampf >> VI 4, bis sich der Vorrat fast erschöpfte. Auf dem rechten Flügel unterblieben weitere Angriffe der Abteilungen des Finkschen Korps, die vielmehr nach einem sicheren Zufluchtsort im Schatten der Hänge des Hochplateaus suchten, da sie sonst eigentlich nur sinnlos unter dem feindlichen Artilleriefeuer leiden würden. In der Mitte erneuerten die Reste der Vorhuten und des rechten Flügels über gewisse Zeit die Angriffe >> VI 7, sie sollten sogar mehrere hundert Schritt hinter dem Kuhgrund vorgehen. Auch sie waren aber nicht mehr im Stande, die Russen und Österreicher zu einem Rückzug zu bewegen und waren letztes Endes selbst gezwungen, sich zurückzuziehen - sonst müssten sie allein den zu erwartenden Gegenangriff des Feindes abwehren. Auf dem linken Flügel wiederholte man Angriffe auf den Grossen Spitzberg, der in der entstandenen Situation zu einem Schlüsselpunkt des Schlachtfeldes wurde. Das Feuer der feindlichen Artillerie war hier aber so intensiv, dass die letzten Versuche mit einem schnellen Rückzug der Truppen endeten, bald nachdem sie Kunersdorf verlassen hatten. Ungefähr um 17 Uhr hatten höchst wahrscheinlich nur wenige von ungefähr 30 Bataillonen, die bis zu dieser Zeit sich in vorderster Linie befanden noch genug Mut, geschweige denn genügenden Vorrat an Munition, damit mit ihnen etwas Ernstes unternommen werden könnte. Es näherte sich das Ende.