Wie viele Menschen waren es PDF Drucken E-Mail

Eigentlich ist uns auch die genaue Zahl der Schlachtteilnehmer nicht bekannt - die auf der Addition der angenommenen mittleren Ist-Stärken von Abteilungen gestützten Schätzungen können hier nur ein annäherndes Bild liefern. Meistens nimmt man an, dass sich auf dem Schlachtfeld über 50 Tsd. russischer sowie gut über ein Dutzend Tausend österreichischer Soldaten fanden. Manche Historiker sind der Meinung, dass die Verbündeten gemeinsam sogar über 80 Tsd. Soldaten haben konnten, doch die niedriger gefassten Schätzungen - 60 bis 70 Tsd. - erscheinen glaubwürdiger, weil unvermeidliche, durch Krankheiten und Unfälle verursachten Abgänge in den Heeren in einem solch fortgeschrittenen Stadium des Feldzuges größer sein mussten, besonders die der russischen Armee, deren Gesundheitspflege und Organisation der Verpflegung vieles zu wünschen übrig ließen. >> V 6. Preußischerseits sollten über 40 Tsd. Soldaten unmittelbar an den Kämpfen teilnehmen. Es konnten sich also auf dem Schlachtfeld insgesamt gut über 100 Tsd. Mann sowie mehrere Zehntausende von den sie begleitenden Tieren versammeln. Es ist bemerkenswert, dass die Feldherren des Zeitalters der Kabinettskriege das Zahlenverhältnis der streitenden Heere nicht unbedingt für ausschlaggebend hielten. Sie waren sich nämlich der mit der Führung einer großen Armee verbundenen Schwierigkeiten (nicht zu vergessen – die gesamte Kommunikation beruhte auf Reitern) und ihrer natürlichen Schwerfälligkeit bewusst, so versuchten sie eher eine "ideelle" Größe des leicht zu handhabenden Korps zu bestimmen und behaupteten, dass eine rein zahlenmäßige Überlegenheit des Gegners sich durch ein rasches und geschicktes Manöver ausgleichen lässt. >> ewent. delegacja z kampanii 1759 r. Der preußische König sagte, wohl bewusst übertreibend, dass ein guter Feldherr mit 30 Tsd. Soldaten sogar ein Heer von 100 Tsd. Soldaten schlagen könne, sofern er sich nur an seine Vorgaben halte. Er empfahl, den gewählten Abschnitt der gegnerischen Aufstellung (am besten die von Natur aus schwache Flanke) mit einem speziell zu diesem Zwecke verstärkten Teil vom eigenen Heer (z.B. mit der Vorhut und einem Flügel) anzugreifen. Vorübergehendes Zurückhalten des anderen Flügels ließ dann im Falle des Misslingens vom ersten Angriff eine andere Kombination erproben, jedenfalls würde es der geschlagenen Armee einen ungestörten Rückzug sichern. Im Falle eines Erfolges, könnte dieser dank der zurückgelassenen Kräfte entsprechend ausgebaut werden.

 

 

Da damalige Armeen in steifen linearen Aufstellungen kämpften >> VI 1, war es ein gutes Mittel, um sie elastischer zu machen und eine gewisse Kontrolle über die Entwicklung der Lage zu behalten, die selbst dem besten General mit dem Loslassen der gesamten „Maschinerie” allzu leicht aus der Hand fallen konnte. Freilich unter der Bedingung, dass das Rezept des Königs auf schöpferische Weise angewandt wurde – jede allzu sklavische Nachahmung eines einmal erprobten Musters konnte es zu einem weiteren gefährlichen Schema machen. Jedenfalls wusste Friedrich den praktischen Nutzen seiner Ideen persönlich zu beweisen, indem er 1757 bei Rossbach und Leuthen die seinem eigenen Korps mindestens doppelt überlegenen feindlichen Armeen schlug. Im Sommer 1758 versuchte er sich seiner Methode bei Zorndorf zu bedienen, doch war ihm nicht gelungen, die russische Armee vom Schlachtfeld zu vertreiben. 1759 erwartete er trotzdem vom General Wedell, dass er auf ähnliche Weise die zahlenmäßig weit überlegenen Russen schlägt. Als dieser aber den Gedanken des Königs zu verwirklichen suchte, erlitt er eine katastrophale Niederlage bei Kay. Das Manöver des preußischen Heeres vor der Schlacht bei Kunersdorf, das zum schnellen Zerschlagen eines gewählten Teils des feindlichen Heeres führen sollte, war also eine weitere Variante zu einem früher mehrmals gespielten Thema.